WORUM ES IN DIESER EPISODE GEHT …

„Mache jeden Morgen eine Sache, die Du so noch nie in Deinem Leben gemacht hast.“
Das ist Nico’s 365-Tages-Challenge und seine Methode um kreativ und fit zu bleiben.

Wenn Nico eine Frage gestellt bekommt, findet in seinem kreativen Kopf direkt ein 360-Grad-Flug statt. Er schaut sich die Fragestellung aus unterschiedlichsten Perspektiven an und löst so eigene mentale Konzepte aus.

Kreativität ist immer lösungsorientiert. Kreativität bedeutet Wege zu finden. Herausforderungen zu meistern. Kreativität ist etwas Neues. Gesellschaftlich anerkannt. Kreativität erfüllt Sinnhaftigkeit.

„Ungefähr 30 % unserer Gedanken werden über den Raum beeinflusst.“

So gründete Nico 2018 den NEO-HUB in Kassel. Europas erster Co-Creation-Hub. Mit aktuell 4 Erlebniswelten. Mit Methodensettings und fachlichen Skills, die entsprechend eingesetzt werden können. Es gibt einen Touch-Beamer oder der Blick aus dem Fenster, der Dir die Zukunft Deiner Branche zeigt.

 

 

Ich bin Florian Hameister, Innovationsexperte und einer der Hosts der Project Mastery Academy. Heute dreht es sich um das Thema Kreativität, denn dies wird eine wichtige Rolle haben in unserem PM-Kickoff „Die besten Design Thinking Hacks für dein Projekt“ am 6. September hier in Kassel im NEO-Hub. Und zu Gast habe ich dafür einen Experten für Kreativität, Nico Grundlach.

Nico hat, wie auch ich, sein Berufsleben mit einer Schreinerlehre begonnen, nur er hat das Glück gehabt, dass sein Meister gleich am Anfang sehr ehrlich war und nach einem Praktikum von zwei Wochen gesagt hat „Du, Nico, wenn du anfasst ist das wie als wenn zwei loslassen.“

Anschließend hat er vier Jahre bei einer deutschen Großbank gearbeitet, bis er 2002 mit seinem Cousin Sascha die Kreativagentur „neue formen“ gegründet hat. Mit 52 Mitarbeitern in Kassel und Köln haben sie in den letzten 17 Jahren über zehntausend Positionierungs- und Inszenierungsprojekte für Unternehmen, Startups und Experten durchgeführt und mehrfach Auszeichnungen abgeräumt.

Er ist dreifacher Vater und Judo-Trainer, forscht im Rahmen seiner Doktorarbeit zur Organisations- und Teamkreativität und entschlüsselt als einer der Top-100-Speaker in seinen Vorträgen den Mythos der Individualkreativität.

Sein neuestes Projekt ist das 2018 eröffnete NEO-Hub hier in Kassel, aber dazu gleich mehr.

Florian: Für mich bist du einer der kreativsten Menschen, die ich kenne. Daher meine erste Frage:

Was ist für dich Kreativität?

Nico: Das ist eine gute Frage. Da gibt es mehrere Sichtweisen, aber zwei wesentliche Punkte möchte ansprechen. Das eine ist die wissenschaftliche Betrachtung von Kreativität. Damit beschäftigen sich viele Wissenschaftsdisziplinen. Die Ökonomen, die Psychologen, die Soziologen. Das interessiert alle und dementsprechend gibt es auch mehrere hundert Definitionen, was Kreativität eigentlich ist. Ich habe mir einmal im Rahmen meiner Dissertation die Mühe gemacht, diese Definitionen alle einmal übereinander zu legen und mit dem Weichzeichner drüber zu gehen. Wenn man das tut, dann bleiben am Ende drei Merkmale übrig, die letzten Endes alle ein kreatives Ergebnis gemein haben.

Den kreativen Prozess selber, kann man nur schwer messen, sondern in der Regel nur das Resultat.

 

Ein kreatives Ergebnis oder ein kreatives Produkt wird durch drei Merkmale gekennzeichnet.

1. Neuartigkeit

Das eine ist immer eine gewisse Neuartigkeit, wobei wir hier unterscheiden zwischen der sogenannten P-Neuartigkeit. Persönlich neuartig. Neu für mein Unternehmen, für meinen Markt, für meine Region. Das sind über 90%.

Der Unterschied zu der anderen Art der Neuartigkeit ist die H-Neuartigkeit. Die historische Neuartigkeit. Das hat es auf der ganzen Welt noch nicht gegeben.

Aber das ist ganz, ganz selten, dass uns irgendetwas einfällt, was es so noch gar nicht gegeben hat.

In der Regel sind es ja Dinge, die in einem anderen Markt schon erfolgreich waren. Klassische Beispiele: Dinge aus den USA wurden hier nach Europa geholt.

2. Sinnhaftigkeit

Sinnhaftigkeit löst in der Regel irgendein Problem, was die Welt da draußen hat.

3. Gesellschaftlich akzeptiert

Das dritte Merkmal kann man leider erst immer retrospektiv beurteilen. Es fragt danach, ob das Ergebnis oder das Produkt auch gesellschaftlich akzeptiert und anerkannt ist. Das ist ganz häufig das Problem von kreativen Schöpfungen, gerade so in der Vergangenheit, da war die Zeit einfach noch nicht reif. Wie viele große Genies der Vergangenheit sind erst berühmt geworden, weil die Zeit damals noch nicht reif war?

 

Für mich ist Kreativität eigentlich ein anderes Wort für Lösungsorientierung.

Es bedeutet für mich Lösungswege zu finden. Es gibt massive Herausforderungen, und Kreativität ist für mich das „Wege finden“, „Lösungen finden“ für Herausforderungen, vor die ich gestellt werde.

Florian: Ich erlebe dich als einen, der immer in der richtigen Situation, die richtige Idee hat. Wie schaffst du es immer, auf den Punkt, kreativ zu sein? Wie schaffst du es da immer, zu sagen „Jetzt, Gehirn, leg mal los!“?

Nico: Es ist tatsächlich ein Prozess gewesen bei mir. Die Experten streiten sich ja: Kann man Kreativität trainieren oder kann man nur Rahmenbedingungen schaffen? Ich glaube, wie so häufig liegt die Wahrheit in der Mitte. Man kann bestimmte Denkmechanismen sehr wohl trainieren.

Ich weiß noch, als ich in die Branche eingestiegen bin, nachdem das mit dem Schreinern nicht geklappt hat, habe ich eine Bankkaufmannslehre gemacht und bin dann als Banker quasi in die Kreativbranche gewechselt. Meine größte Sorge bei jedem Kundentermin war immer „Oh Gott! Die wollen bestimmt sofort eine Idee von mir haben!“, und ich hatte immer ein weißes Blatt im Kopf und musste mich da immer rausreden. Die brauchten auch in der Regel ja keine Idee, sondern ich musste eigentlich nur zuhören. Das habe ich aber damals nicht gewusst.

Heute ist es eher anders, so wie du es eigentlich kennst: Wenn ich sitze und wir sprechen, dann habe ich sofort tausende von Ideen. Ich glaube, man kann bestimmte Denkmechanismen trainieren. Ich selber mache ja seit knapp zwei Jahren die 365-Tages-Challenge, also bei mir sind es jetzt siebenhundert, achthundert Tage, und die besagt nichts anderes als „Mach jeden Tag in deinem Leben, idealerweise morgens, eine Sache, die du so in deinem Leben noch nie gemacht hast.“

Deswegen gelten Kinder ja als so besonders kreativ, weil die ja jeden Tag in ihrem Leben neue Dinge machen und Erfahrungen machen und widerlegt werden. Eckart von Hirschhausen hat es einmal so schön gesagt bei einer Veranstaltung, wo der ich war: „Wie viele von Ihnen haben das Gefühl, dass die Zeit zwischen dem fünften und dem zwanzigsten Lebensjahr länger gedauert hat, als zwischen dem 35. und dem fünfzigsten beispielsweise?“

Da haben sich natürlich alle gemeldet, obwohl es der gleiche Zeitraum war. Ist natürlich logisch, sagt er, weil wir in dieser Zeit viele Dinge zum allerersten Mal erleben. Wir sind neugierig und machen neue Erfahrungen.

Das ist etwas, was ich aktiv lebe. Ich lasse mir ständig neue Dinge einfallen. Das ist wie ein Training. Es ist mein täglicher Job. Wenn ich eine Fragestellung habe, dann ist das wie so ein 360-Grad-Flug in meinem Kopf: Ich mache gleich die Birne auf und schaue mir das von unterschiedlichsten Richtungen an und versuche, da bestimmte mentale Konzepte bei mir auszulösen.

Florian: Nenne einmal ein paar Beispiele, was du die letzten fünf Tage dann so anders gemacht hast. Was waren deine Schemata-Verstöße?

Nico: Wenn mir gar nichts eingefallen ist morgens, bin ich einfach auf einem anderen Weg ins Büro gefahren. Ich biege einfach irgendwo ab, wo ich vorher noch nie abgebogen bin. Das ist übrigens total spannend, weil man dann echt tolle Ecken kennenlernt. Angefangen habe ich damit, mir die Zähne mit der linken Hand zu putzten, mich mit der linken Hand zu rasieren – nicht ganz ungefährlich, die Treppe rückwärts zu laufen, die Spülmaschine auf einem Bein hüpfend einzuräumen, mit einer Rolle aus dem Bett auszusteigen.

Es ist manchmal ein bisschen schräg, wenn meine Familie das sieht, aber mittlerweile haben sie sich dran gewöhnt und schenken dem mittlerweile keine Beachtung mehr. Manchmal lese ich irgendwelche Texte rückwärts oder lerne einen neuen Zungenbrecher. Solche Sachen mache ich halt.

Ich habe dazu ein Buch rausgebracht, das Creative Notebook. Damit kannst Du das für Dich auch ritualisieren, jeden Tag etwas anders zu machen. Damit ich es auch wirklich mache, liegt es bei mir morgens auf dem Tisch, damit ich auch dran denke, wenn ich dann so halb verschlafen in die Küche schlurfe.

Florian: Wir sind ja am 6.9. hier im NEO HUB. Erzähl einmal: Was ist denn das überhaupt?

Nico: Das Neo Hub ist im Prinzip eine Location, in der wir aktuell vier, wahrscheinlich im nächsten Jahr dann fünf Erlebniswelten geschaffen haben. Eine Erlebniswelt ist für uns nicht nur der Raum, sondern auch die Methodensettings, die wir in die Räume integriert haben. Wir haben uns, wie wahrscheinlich jedes Unternehmen, gefragt „Wie werden wir auch in Zukunft wertvoll für den Markt?“, und haben natürlich dann auch sehr kritisch unsere Arbeit angeschaut.

Wir haben festgestellt, dass ganz viele Lösungen, die die Organisationen brauchen, um in Zukunft erfolgreich zu sein, schon in den Köpfen der Menschen vorhanden sind, die in den Unternehmen arbeiten. Die haben nur zwischen Meetings, Zahlendruck, Tagesgeschäft und Abstimmung verlernt, das zu sehen. Auf der anderen Seite spielt Geschwindigkeit in unserer schnell drehenden Welt immer mehr eine große Rolle.

Da haben wir uns überlegt „Okay, wie könnten wir unsere Arbeitsweise von – ich fahre hin, kriege ein Briefing, gehe zurück, entwickle irgendetwas, gehe wieder hin, stelle etwas vor, dann gibt es interne Korrekturschleifen, und so weiter …  dann dieses ständige Pingpong-Spiel – wie können wir das aus der Gleichung rausnehmen oder wie können wir das optimieren?“

Da haben wir gesagt „Das funktioniert dann, wenn wir co-kreativ – oder wie es heute heißt „agil“ arbeiten. Und zwar an den richtigen Stellen mit unseren Kunden co-kreativ zusammenarbeiten.“

Das heißt, wir brauchen alle Fach- und Entscheidungskompetenzen zu bestimmten Projektschritten alle an einem Ort zusammen. Und dieser Ort soll halt besonders inspirierend sein.

Wir haben hier zum einen das Future Hub, wo wir gerade sitzen. Das ist ein Raum, der eine künstliche Intelligenz, Infrastruktur hat. Der sieht aus wie ein kleines Raumschiff. Wir sitzen hier gerade neben unserem Future Fire, was hier blau flackert. Wir haben einen Touch Beamer da. Wenn du aus dem Fenster schaust, dann siehst du die Zukunft deiner Branche, weil wir heute wissen, dass ca. 30 % unserer Gedanken über den Raum beeinflusst werden.

Wir haben gesagt: Wenn du Zukunft denken willst, dann musst du auch Zukunft sehen und fühlen.

Meistens starten wir mit unseren Kunden mit der Frage „Wo willst denn du eigentlich hin? Wie soll es denn in fünf Jahren sein?“, und dann gehen wir hier in das Future Hub und beantworten genau diese Frage „Wer sind in fünf Jahren deine Zielgruppen? Wie bist du dann aufgestellt? Welche Produkte und Services bietest du an? Und wie ist auch deine Vision, die Vision von deinem Unternehmen?“

Wenn wir das klar haben und sagen „Okay, da willst du hin.“, dann gehen wir in unser Creative Hub, das ist die zweite Erlebniswelt, die flächenmäßig größte, das ist wie so ein großer Spielplatz, über sieben Meter hoch, ich weiß nicht wie viele Quadratmeter Wandfläche wir da haben zum Arbeiten, wo wir verschiedene Settings aufzubauen, verschiedene Stationen, um damit dem Kunden den kreativen Lösungsweg zu entwickeln.

Wenn wir den kreativen Weg entwickelt haben, dann gehen wir in unser Focus Hub, weil eine Idee ist nur gut, wenn sie auch in die Umsetzung gelangt. Dann wird das Ganze dort operationalisiert. Da hängt momentan noch das größte White Board Nordhessens, der Raum hat keine Fenster und kann in bestimmte Lichtstimmungen getaucht werden. Da geht es wirklich darum, weil wir gesagt haben, eine gute Strategie muss am Ende auf eine Wand passen, im Zweifelsfalls muss die Wand halt einfach groß genug sein.
Das passiert in dem Focus Hub. Wir operationalisieren die Dinge, die wir im Creative Hub entwickelt haben und überführen sie in eine Strategie.

Der letzte Schritt, das ist das Team Hub. Das ist ein ehemaliger Tresorraum, also auch ein bisschen eine Ode an meine Banker-Vergangenheit. Er geht über drei Etagen, sicherlich der architektonisch außergewöhnlichste Raum hier im Hub. Da geht es wirklich darum, dass wir alle Projektbeteiligten onboarden und mit auf den Weg nehmen, ihnen Lust machen, sie beteiligen.

Das ist so der idealtypische Weg.

In der Praxis ist es so, dass Kunden häufig schon an irgendeiner Stelle stehen und wir dann sagen „Okay, wir gehen direkt ins Creative Hub.“ Oder manche Kunden machen auch so ein Ideen Speed Dating zum Beispiel bei uns im Team Hub, weil das dafür architektonisch sehr gut prädestiniert ist.

Wir haben jetzt noch das Gewölbe mit dazu genommen, sodass dort eine fünfte Erlebniswelt entstehen kann. Ein Digital Deep Dive. Ein digitales U-Boot auf knapp, 150 Quadratmetern, was komplett über virtuelle Realitäten funktioniert, wo du in bestimmte Themenbereiche sprichwörtlich richtig tief eintauchen kannst.

Mein ganz, ganz großer Traum – ich bin aber nicht sicher, ob wir den realisieren können aus Brandschutzgründen – wäre auch, dass wir wirklich mit einer U-Boot-Luke vom Future Hub direkt reinsteigen können in den digitalen Deep Dive. Aber das stellt sich aus Brandschutzgründen nicht ganz so einfach dar.

 

Wenn du Lust hast, das Neo Hub einmal kennenzulernen und du einfach dich einmal inspirieren lassen möchtest von uns zum Thema Design Thinking, komm am 6.9. hier nach Kassel ins Neo Hub.

Wir freuen uns auf dich!

 

Shownotes

Dankeschön, dass Du Dir die Folge angehört hast oder sie gelesen hast. Wenn Dir der PROJECT MASTERY Podcast und unser Blog gefällt und Du einen wertvollen Impuls mitnehmen konntest, dann teile sie gerne mit Deinen Freunden und gib uns eine Bewertung bei iTunes ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
Wir freuen uns sehr über Dein Feedback.
Das hilft uns, diesen Podcast weiter zu verbessern und Dir die Inhalte zu liefern, die wertvoll und nützlich für Dich sind. Weiterhin wird er dadurch für Menschen aus Deinem Freundeskreis oder Netzwerk sichtbarer: https://apple.co/2Tf8zHT
Von Herzen Danke!

Erlebe eine neue Welt des Projektmanagements und lass Dich inspirieren: www.pmkickoff.com
25% Rabattcode auf alle Ticketkategorien für PMastery-Hörer und -Leser: PODCAST2019

Nico Gundlach:
http://www.nicogundlach.de

NEO-HUB in Kassel:
http://www.neo-hub.de/

PM KICKOFF – Die besten Design Thinking Hacks für Dein Projekt:
http://pmkickoff.com/innovation/

Project Mastery Facebook:
https://www.facebook.com/projectmastery/

Project Mastery im Internet:
www.projectmastery.de

PM-POWERDAYS:

https://pm-powerdays.com/

Abonniere unseren regelmäßigen Newsletter mit Tipps und Erfahrungen für Dein Next Level im Projektmanagement. Jede Woche mit neuen Impulsen und Empfehlungen: www.projectmastery.de/nl

Wir freuen uns immer über ein Feedback. Schreib uns Deine Meinung auf Facebook, oder schreib uns an info@projectmastery.de eine E-Mail!